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Neues vom Lukas-Spital in Laslea, Rumänien

Und die Hoffnung ist nicht gestorben

Im Schwabacher Tagblatt war nach dem ersten Rumänien-Hilfstransport vor 18 Jahren ein Reisebericht mit der Überschrift „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ erschienen. Kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hatte sich damals eine kleine Gruppe aus unserer Kirchengemeinde auf den langen Weg nach Rumänien gemacht. Dort angekommen, wurden Hilfsgüter an die Bewohner in Neudorf (Siebenbürgen) verteilt. Schon beim ersten Besuch war deutlich, dass Sachspenden alleine den Menschen vor Ort nicht nachhaltig helfen. Beim zweiten Besuch ein Jahr später wurde dann der Beschluss gefasst ein Alten- und Pflegeheim zu errichten. Aus dem geplanten Altenheim wurde am Ende das Lukas-Spital in Laslea. Was ganz klein und fast unscheinbar angefangen hat ist zu einer Hoffnungspflanze herangewachsen.

Den Ursprung der Hilfsaktion dürften die meisten schon vergessen haben: Das Rohrer Kochbuch. Im Laufe der Jahre hat das Rohrer Kochbuch mit einem Teil seines Erlöses viel Gutes in Rumänien entstehen lassen.

Ein weiterer Meilenstein in dieser Hilfsgeschichte ist das scheinbare Scheitern des Lukas-Spitals und die Auflösung des Hilfsvereins „Lukas-Spital“. Dieser hatte sich nach Unstimmigkeiten aus dem Projekt zurückgezogen und aufgelöst. Damit verschwand das Lukas-Spital jedoch nicht wie von Geisterhand von der Bildfläche. Vielmehr musste man in Rumänien im Spital nun auf eigenen Füssen stehen lernen. Und das Spital steht noch. Einiges ist anders gelaufen als wir es uns vorgestellt haben – aber das Spital steht nicht nur, sondern es läuft. Sehr gut sogar.

Wie aus einer Krise eine Chance wurde, das habe ich mit meinem Mann über Pfingsten 2007 bei unserem Urlaub in Rumänien mit eigenen Augen gesehen und erlebt. Es war für uns beeindruckend mit wie viel Herzlichkeit und Gastfreundschaft wir hier aufgenommen wurden trotz des Endes der offiziellen Hilfe aus Rohr. Keine Spur von Groll über das Scheitern der offiziellen Beziehungen. Keine Abneigung gegenüber der Kirchengemeinde Rohr. Vielmehr aufrichtige Freude über das Wiedersehen.

Natürlich haben wir uns auch im Spital umgeschaut.

Wir waren erstaunt was wir dort vorfanden. Das Spital war bis aufs letzte Bett ausgelastet und die hygienischen Bedingungen waren wie eh und je top. Nach wie vor wird täglich geputzt. Was mich aber noch viel mehr beeindruckte war die liebevolle und menschliche Art und Weise, in der mit den Patienten umgegangen wird. Dr. Oprean nimmt auch die Ärmsten der Armen auf und versorgt sie. Humanitäre Hilfe auf hohem Niveau wird für die nach wie vor ärmliche Situation vieler Menschen in Rumänien gegeben. Doch nicht nur das, daneben ist der christliche Geist in Form von Morgenandachten beibehalten worden. Die Patienten werden nicht nur als Kranke betrachtet, sondern als Geschöpfe Gottes. Des Weiteren ist die gesamte Spital-Anlage rundherum sauber gepflegt und es wird in drei Gärten mit großen Gewächshäusern Gemüse angepflanzt, das für die Wintermonate eingekocht wird. Und die Kosten? Die Kosten werden größtenteils von den Patienten und seit letztem Jahr von der rumänischen Krankenkasse beglichen.

Ich kann nur noch einmal wiederholen, was ich schon eingangs geschrieben habe: Obwohl es zu einem Bruch in den Beziehungen zwischen dem deutschen und dem rumänischen Verein gekommen ist, haben uns die rumänischen Freunde sehr liebevoll, herzlich und gastfrei aufgenommen. Die Verantwortlichen aus dem Verein in Rumänien haben uns die Hände gereicht und uns gebeten, dass wir doch weiterhin in guter Freundschaft mit ihnen bleiben. Sie haben ausdrücklich betont, dass es ihnen in der Beziehung zur Kirchengemeinde Rohr nicht auf das Geld ankommt. Vielmehr sind sie an unserer Freundschaft und an einer Fortführung der partnerschaftlichen Beziehung, die mit dem ersten Hilfstransport entstanden ist, interessiert. Dr. Oprean hat diesen Worten Nachdruck verliehen, indem er uns für das Jahresfest, das immer im Oktober gefeiert wird, eingeladen hat.

Beim Jahresfest 2007 wurde gefeiert: 15 Jahre seit der Gründung des Christlich Medizinischen Vereines "Lukas Spital", im Oktober 1992, 10 Jahre seit der Aufnahme des 1. Patienten im Lukas Spital, im Oktober 1997, 17 Jahre seit der 1. Begegnung mit der Gruppe aus der Gemeinde Rohr, geleitet von Pfarrer Sander, im Oktober 1990, Anerkennung des Spitals seitens des Gesundheitsministeriums als Reha-Zentrum und Zentrum für palliative Pflege (Hospiz). Hoffentlich auch die Unterzeichnung des Vertrages des Lukas Spitals mit der CNAS (Staatlichen Krankenkasse).

Mein Mann ist zu diesem Anlass mit vier Freunden nach Rumänien gefahren und gemeinsam haben sie an den Feierlichkeiten teilgenommen.

Und was bleibt für uns? Mir hat die Geschichte des Lukas-Spitals wieder einmal die tiefe Wahrheit des Ausspruches „Der Mensch denkt und Gott lenkt“ gezeigt. Gott lässt in den Bruchstücken unserer Freundschaft mit den Menschen in Siebenbürgen sein Hoffnungslicht scheinen. Er macht das Zerbrochene heil. Das Spital läuft gut, vielleicht ein bisschen anders als wir es uns vorgestellt haben - aber es läuft.

Renate Wagner

23.01.2009 10:50 Kategorie: Aktivitäten