< Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, er kommt gewaltig.

Beichte und Anmeldung

Es gab vor einigen Jahren noch die Möglichkeit einer Anmeldung zur Beichte bzw. zu Abendmahl. Pfr. Wolf hat das nicht ohne Grund abgeschafft, denn es entspricht so gar nicht dem aktuellen Empfinden evangelischer Frömmigkeit und gerät gedanklich gerne in Richtung des Ablasshandels, der mit Auslöser für die Reformation war. 

Aus einigem Abstand heraus haben wir diese Thematik nun noch einmal im Kirchenvorstand behandelt. 

Deshalb möchte ich Ihnen meine Sicht der Dinge erklären und Ihnen sagen, wie wir verblieben sind.

 

Ich kannte die Tradition nicht aus meiner eigenen kirchlichen Vergangenheit, sondern habe es  in meiner Vikarszeit in Hutschdorf kennen ge-lernt. Es hatte damals für mich eher befremdliche Züge. In Hof gab es das nicht mehr. Soviel zu meiner eigenen Geschichte. 

Hier begegnete mir diese Tradition vereinzelt und so habe ich mir die Mühe gemacht genauer hin zu sehen, worum es dabei geht. 

Beim Lesen in den Bekenntnisschrif-ten unserer evangelischen Kirche, genauer im  Augsburger Bekenntnis fand ich Art. 25 „Über die Beichte”: „Auch bei uns ist es üblich, keinem das Sakrament zu reichen, der nicht vorher befragt wurde und die Vergebung empfangen hat.” 

Wir müssen also zur Kenntnis nehmen, dass es sehr wohl evangelisch ist, sogar urevangelisch! Deshalb wurde es ja auch üblich, zumindest zu den Beichtgottesdiensten vor der Konfirmation, in der Passionszeit und am Buß- und Bettag eine ausführliche Beichte im Gottesdienst zu haben und die Gemeinde auch zu befragen, die dann mit ihrem dreimaligen „Ja“ ihre Antwort gibt. 

Was uns heute schon sehr ausführlich scheint, ist eigentlich die kürzest mögliche Fassung zur Vorbereitung auf den Empfang der Abendmahlsgaben. Nur so können wir davon ausgehen, dass alle, die jetzt nach vorne gehen auch einen Weg der Umkehr beschreiten und durch die Vergebung gereinigt sind. Wenn wir an den Altar treten, dann sollte nichts mehr zwischen uns stehen, was der Vergebung bedürfte.

Beichte braucht Vorbereitung.

Wenn wir nicht nach dem „Schwamm drüber“ Prinzip mit dem ernsten Anliegen der Beichte umgehen wollen, dann müssen wir uns klar machen, dass Beichte eine Zeit der Vorbereitung braucht. Zeit um sich im Lichte Gottes und seiner Gebote mit dem eigenen Lebenswandel auseinanderzusetzen. Wie und vor allem wann diese Vorbereitung stattfindet, kann jeder für sich entscheiden. Das ist evangelische Freiheit. Es für sich ganz weg zu lassen ist hat mit Freiheit 

nichts zu tun, das ist Oberflächlichkeit, die nicht ratsam ist!

Wer sich die Zeit nimmt am Vorabend eines Abendmahlsgottesdienstes darüber nachzudenken, wo wir im eigenen Leben schuldig geworden sind vor Gott und aneinander, der bereitet sich vor. Das sollte auch die Konsequenz beinhalten im Zweifelsfall noch einen Anruf oder Besuch zu machen bei jemandem, den wir um Vergebung bitten möchten. Wer so vorbereitet in den Gottesdienst geht, dem genügt auch die allgemeine Beichte.

Es hat mir eingeleuchtet, dass es auch nötig sein könnte, eine Zeit vor den Beichtgottesdiensten zur Verfügung zu stellen, in der Gemeindeglieder die Möglichkeit haben zum Pfarrer zu kommen und eine Beichte abzulegen. Dort bekommen Sie den Zuspruch der Vergebung und wenn nötig auch die Anweisung etwas erst noch mit betroffenen Personen zu klären. Das ist durchaus evangelisch und es ist befreiend! Deshalb biete ich zunächst am Buß- und Bettag und am Gründonnerstag eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst die Möglichkeit der Beichte mit Gebet in meinem Büro an. Meine Tür steht dafür übrigens das ganze Jahr offen. Wer so Etwas für sich sucht, ist auch außerhalb fester Zeiten nach Absprache herzlich willkommen. Vergebung können wir nicht genug im Leben haben!

Was ich in diesem Zusammenhang allerdings strikt ablehne ist die Verknüpfung des Beichtgespräches mit einer Spende. Wenn Sie aus Dankbarkeit etwas spenden wollen, haben Sie die Gelegenheit im Opferstock oder Klingelbeutel in der Kirche oder wie immer sie das machen wollen - aber nicht bei der Beichte – um jedes Missverständnis zu vermeiden!

 

Ihr Pfarrer Wandtke

23.11.2015 14:30 Kategorie: Kirchenvorstand