< Bäserehrung Johann Hechtel

Die Fastenzeit - Freiheit zum Miteinander

Wir leben in einer Zeit und Gesellschaft, die uns alles bietet und in der wir uns - mehr oder weniger - fast alles leisten können. Je mehr wir haben umso enger wird oft unser Herz und wir verlieren den Blick für das Wesentliche.

Oft höre ich Erinnerungen an gute alte Zeiten, in denen man wenig hatte, aber das Wenige wurde geteilt und es war eine wunderbare Gemeinschaft untereinander da. Daran knüpft die diesjährige Fastenaktion der Landeskirche an: 7 Wochen ohne Enge. Dabei geht es um den Verzicht auf alles was unser Herz einengt. Einfach mal jemanden einladen, den wir noch nicht kennen. Und einander mit Neugier und ohne Vorbehalte begegnen. Teilen, was da ist, und erleben, dass es für alle reicht. Dass da immer noch Platz ist, wenn jemand hinzukommt. ?Sieh das mal nicht so eng?, sagen wir und es lohnt den Versuch. Sich über das Glück der anderen zu freuen und lachen können über den eigenen Neid. Nicht mehr aufrechnen, was war und Vergebung schenken.

Diese innere Weite öffnet den Blick nicht nur für den Nachbarn jenseits des Gartenzauns, sondern auch für den Flüchtling, der von weit her kommt. Wir können Wohnraum, Arbeit und sogar Heimat teilen. Ein großes Herz taugt als guter Gastgeber und Dolmetscher, der enge Grenzen überwindet.

Wir können dabei aus der Fülle schöpfen, denn unser großes Herz ist gehalten in und von Gott. Wir müssen nicht immer sorgen und rechnen, denn: "Gott kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk" (2.Kor 9,8).

Das passt wunderbar auch zu den Anliegen unseres Asylhelferkreises. Hier werden Menschen gesucht, die sich ganz konkret für Einzelne engagieren. Es geht nicht darum für Alle da zu sein. Aber wäre es für Sie eine Möglichkeit eine, einen oder eine ganze Familie, bei einer ihrer nächsten Feiern oder zu einem Mittagessen am Sonntag mit  dazu einzuladen? So werden Brücken gebaut, Ängste überwunden und vielleicht werden aus Fremden sogar Freunde. Einfach mal Kontakt aufnehmen, zu Menschen die Sie schon lange einmal kennen lernen wollten oder zum Asylkreis und nachfragen ob und wie das geschehen kann, die helfen gerne bei der Vermittlung. Ich werde das auf jeden Fall selbst ausprobieren, und Sie?

Ihr Pfarrer Wandtke

26.02.2016 09:55 Kategorie: Angedacht