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AN - ge - Dacht

„Summertime, when the living is easy“ Sommerzeit – wenn das Leben Freude macht, leicht von der Hand geht…

Die lauen Abende das mildere Wetter laden ein das Leben leichter zu nehmen und zu entspannen oder am Badesee zu entschleunigen, wie das auf neudeutsch heißt.

Als ich so diesen Gedanken nachgehe kann ich innerlich eine beruhigende Musik hören. Plötzlich spüre ich, wie scheinbar die Tonabnehmernadel mit einem lauten und schmerzhaften Quitschen quer über die Platte schießt. Wovon träumst du denn? Höre ich eine Stimme Fragen. Sommerzeit am Land bedeutet Arbeit ohne Ende. Viele haben noch wirtschaftlich genutzte Flächen, oder zumindest einen bewirtschafteten Garten. Entspannung? Arbeit bedeutet das und das ist schließlich auch unsere Mentalität: Arbeit, das bestimmt unseren Wert und auch unseren Selbstwert. Entspannung gibt es erst wenn alle Arbeit erledigt ist. Entschleunigung ist was für Weicheier.

Tragen sie in sich manchmal auch die Sehnsucht nach Entspannung und Ruhe vielleicht nicht erst wenn alle Arbeit getan ist? Die Sehnsucht nach einer Erfüllung und Sinn der nicht zwangsläufig allein aus getaner Arbeit kommt. Dies verspricht uns Jesus in Mt. 11,29. Dort lesen wir: “So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen“. Es geht dabei nicht um trägen Müßiggang, sondern um eine erfüllte Ruhe im Einklang mit sich selbst. In 1. Mose heißt es:“ Gott ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte“. Es ist ein Ruhen in Freude, Versöhntheit und sinnvoller Selbstzufriedenheit mit dem eigenen gelebten Leben. Diese Ruhe, dieser Frieden ist die von uns ersehnte sommerliche Leichtigkeit. Wann hatten Sie denn in den Sommermonaten einen ganzen Tag der Ruhe?

Jesus sagt in Mt. 11,28.30: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht“. Er möchte uns helfen das schöne Ziel der Ruhe und des Frieden zu erreichen. Wenn wir Jesu Gesinnung erspüren, auf seine Güte und Demut hören, können wir den Weg zur Ruhe in unseren Seelen finden. Jene Ruhe (Frieden), die aus der Gelassenheit kommt, nicht krampfhaft das eigene und das Leben der anderen in Prinzipien zwängen zu wollen, sondern wie Jesus aus der erlösten Herzensweite zu leben und zu lieben. In dieser Ruhe, diesem Frieden ist unser Leben dann im tiefsten Sinne leicht. Wir atmen die laue Abendluft der „summertime“, unsere Seele wiegt sich in Gottes Gegenwart wie ein einem Schaukelstuhl auf der Veranda.

Wer dieses Angebot annimmt, erfährt einen heilenden Frieden (Ruhe) von seinen Ängsten. Die Begegnung mit Jesus schafft einen heilsamen Moment. Wenn wir mit den Augen des Herzens sehen, werden wir aufmerksam für Fassaden und versuchen dahinter zu schauen. Leben kann viel mehr sein als tagein und tagaus zu funktionieren und sich irgendwelchen Erwartungen zu beugen.

Veränderung geschehen meist langsam, sie lassen sich nicht übers Knie brechen. Wer die Einladung Jesu annimmt, der wird manche Entscheidung anders treffen und auf Dauer manche Dinge anders sehen. „Ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen“, lautet die Verheißung Jesu. Die Seele sehnt sich nach einem Leben das nicht in Äußerlichkeiten, im Fassadenhaften verkümmert. Die Seele verlangt nach dem Leben in Ruhe (Frieden), das Erfüllung schenkt und von dessen Sinnhaftigkeit wir auch nach längerem Nachdenken noch überzeugt sind. Dann bestimmen nicht mehr andere wie wir zu leben haben. Dann leben wir.

Ihr Pfarrer Markus Wandtke

21.05.2016 10:07 Kategorie: Angedacht