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Suppenfest

Liebe Rohrer Kirchengemeinde,

in unserer Kirchengemeinde hat doch jede Jahreszeit ihre schönen Feste und Höhepunkte. Gefühlt ist es erst ein paar Tage her, als wir uns am Gemeindefest in Leuzdorf getroffen haben und jetzt stehen wir schon am Beginn des Herbstes.

Apropos Leuzdorf. Was man da alles erfährt: so hätte ich ja gar nicht gedacht, dass wir in der Gemeinde eine echte Faschingsprinzessin haben. Und dass an der Straße nach Göddeldorf ein Kreisverkehr nur für Radfahrer gebaut wird, war mir auch neu. Gut gefallen haben mir auch die Fußballspiele zum Abschluss des Tages, die waren sehr lustig. Wann sieht man schon so viele untalentierte, untrainierte Fußballspieler auf einem Haufen! Selbst der Aktionsradius des Schiedsrichters Eckstein fand auf einem Bierdeckel genügend Platz.

Jetzt im Herbst freue ich mich auf das einzigartige Suppenfest an Erntedank. Was für ein Fest für den Gaumen!

Ob Gulaschsuppe, Kartoffelsuppe, Kürbissuppe, Zwiebelsuppe, Spargelsuppe, Gyrossuppe, Hochzeitssuppe, Leberknödelsuppe, Borschtsch, undundund - ich kann gar nicht alle aufzählen, weiß nur, dass sie mir alle gut schmecken. Weil mit Suppen kenn? ich mich aus, denn schließlich bin ich ja fast ausschließlich mit Suppen aufgezogen worden. Hat eine Henne mal aus Altersgründen die Flügel schleifen lassen, hat es am andern Tag eben eine schmackhafte Hühnersuppe gegeben. Außerdem stand bei uns jede Woche mindestens einmal Milchsuppe als Mittagessen auf dem Speiseplan. Mit Buchstabensuppe habe nicht nur ich, sondern Generationen von Schülern das Lesen gelernt und wenn im Winter Schlachtzeit war, hat es wochenlang Kessel-, auch Metzelsuppe genannt, gegeben, meist mit altem Brot eingebrockt. Die Metzelsuppn? war übrigens besonders schmackhaft, wenn im Kessel eine oder zwei Blutwürscht geplatzt sind.

Für die heutige Jugend unvorstellbar. Hausschlachtungen gibt es nicht mehr und damit ist auch die Metzelsuppe ausgestorben.  Und früher sind die meisten Zutaten für eine gute Suppe halt einfach im Garten gewachsen. Heutzutage muss man erst in den Supermarkt fahren zum Einkaufen. Gesünder ist das Gemüse dort mit Sicherheit nicht. Aber es gibt halt keine richtigen Gärten mehr. Der Garten um viele Häuser sieht oft aus wie eine städtische Grünanlage mit ausländischen Koniferen. Da ist für Gemüse oder gar Obstbäume kein Platz mehr. Tierfeindlich, Kinderfeindlich und Suppenfeindlich.

In diesem Sinne - wir sehen uns beim Suppenfest!

07.10.2016 11:58 Kategorie: Kolumne