< Einschreibung und Einführungsgottesdienst Präparanden am 29.09.2016 um 19.00 Uhr

Zum Terroranschlag in Ansbach und anderswo

In welcher Welt leben wir?  Zeit zum Nachdenken ...

Schockiert haben viele Menschen die Amok- und Terrortaten erlebt oder von ihnen gehört.

Menschen kamen ums Leben, viele wurden verletzt.

In Gebeten und Gottesdiensten versuchen wir unsere Betroffenheit und Ohnmacht auszudrücken.

Und immer wieder diese Frage: Warum?

Gibt es Erkenntnisse zu verstehen, warum junge Männer bewusst, mit gezielten Schüssen aus der Pistole getötet haben, ja zum Massenmörder wurden? Warum bastelte sich ein Asylant eine Bombe, um damit andere Menschen zu töten?

Und immer war es auch eine letzte Konsequenz des Handels, dass sie sich zuletzt selbst das Leben nahmen?

Die Frage bleibt: Können wir auch für diese Attentäter beten?

Ob Gott ihnen diese Taten verzeihen wird? Auch diese Frage wird offen bleiben.

Unsere Gedanken sind nur Mutmaßungen, ein hilfloser Versuch zu verstehen, was nicht zu verstehen ist.

Ich frage mich, wie groß muss der Frust, der Hass gewesen sein? Wie tief müssen innere Verletzungen ihre Seele verhärtet haben? Waren es Enttäuschungen oder Schuld, Erlebnisse, mit denen sie nicht fertig wurden?

War es religiöser Fanatismus? In jedem Fall meinten  sie sich im Recht, so zu handeln, wie sie handelten.

Vielleicht war es auch ein tragischer Ausdruck der Sehnsucht nach Wertschätzung, Anerkennung und Liebe.

Gibt es eine Möglichkeit enttäuschte Erwartungen, aufgestauten Hass  und Schuld  loszuwerden?

Ja, bei Jesus, der sterbend am Kreuz sagen konnte:? Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!?

(Text: fm)

Welche Haltung ist noch möglich in solchen Tagen des Schreckens?

In diesen Tagen des Schreckens kann es etwas geben, was uns hilft: Wir können Menschen bleiben, menschlich bleiben. Wenn ich mich selber etwas beruhigen will, dann sage ich mir: Versuche, einigermaßen die Ruhe zu behalten. Die Schrecken sind schon groß genug, bedenkt man die letzten Monate. Anschläge in Belgien und Frankreich, zuletzt in Nizza; jetzt die Mordversuche in einem Zug bei Würzburg und die Morde beim Amoklauf in München und der Terroranschlag in Ansbach.

Für alles gibt es viele und unterschiedliche Erklärungen, aber niemals Verstehen. In München sterben viele junge Menschen, fast alle mit Migrationshintergrund. Ein junger Mann, Deutscher von Geburt, der selbst einen iranischen Migrationshintergrund hat, erschießt diese jungen Menschen, nachdem er laut gerufen haben soll: Ich bin Deutscher.

In solchen Tagen des Schreckens darf es nur eins geben: dass wir Menschen, dass wir menschlich bleiben.

Wut ist verständlich, hilft aber niemandem. Behutsamkeit und Übersicht über das eigene Empfinden helfen mehr. Wir sind, Gott sei Dank, keine direkt Beteiligten; wir sind ferne Betroffene, deren Schmerz mitfühlend ist. Wir sollen uns nicht beherrschen lassen von Rachegedanken. Rache engt ein und macht klein. Wir können menschlich bleiben: vorsichtig im Reden über andere; achtsam gegenüber anderen, auch wenn wir sie nicht kennen; vor allem vertrauensvoll in unserer Hoffnung auf unsere Freunde und Gott.

Der deutsche Philosoph Immanuel Kant (1724 - 1804) hat einen Satz geschrieben, der eine Hilfe sein kann in Tagen des Schreckens. Er schreibt: In schwierigen Zeiten gibt es eine gewisse Pflicht zur Zuversicht. Das ist schwer, wenn der Schmerz groß ist wie bei den Angehörigen. Für uns als entferntere Zeugen aber kann es eine Hilfe sein, die Zuversicht nicht aufzugeben. Zuversicht heißt: menschlich bleiben. Sich nicht beherrschen zu lassen nur von Wut und Abscheu, sondern sich eine gewisse Nüchternheit zu bewahren. Zuversicht heißt: das Vertrauen in Menschen nicht aufzugeben in die Freunde, die Familie, die Nachbarn und Kollegen. Zuversicht heißt: sich im Gebet entlasten zu können und sich das Rätsel, das Gott oft ist, nicht zu verschweigen. So gelingt es vielleicht besser, einen freieren Blick zu bewahren auch auf die Täter, die sich oft als Verlierer fühlten und sich zu bösen Helden machen. Vielleicht hilft uns der freiere Blick, eine tiefe Not bei anderen früher zu erkennen und Menschen beizustehen, die sich in der Welt zu verlieren drohen.

In schwierigen Zeiten gibt es eine gewisse Pflicht zur Zuversicht. Mit dieser eher angenehmen "Pflicht" mildern wir vielleicht ein wenig die Schrecken dieser Tage.

Gott helfe uns in diesem Bemühen.

(text fm nach mb,buhv)

17.09.2016 12:40